Dokumentarfilm "Eine Brücke in die Welt"

Zu Fuß nach Venedig. Schreiben. lesen, rechnen. Ein Haus bauen, einen Acker pflügen, Englisch, Französich. Singen, rezitieren, tanzen, Theaterspielen. Einen Sonnenaufgang malen. Regisseurin Maria Knilli zeigt, wie Schule sein kann und drehte für das Bayerische Fernsehen an der Freien Waldorschule Landsberg am Lech. Es ist ein ganz besonderes Projekt, eine Langzeitdokumentation. Acht Jahre begleitete die Filmemacherin eine Klasse an unserer Schule mit ihrer Klassenlehrerin, saß mitten unter den Schülerinnen und Schülern. Das Ergebnis sind faszinierende Augenblicke. Da werden Körper länger und ungelenk. Gesichter gescheiter und schöner. Augen strahlend und tief. Es sind Minibiographien in einer ersten und einzigartigen filmischen Enzyklopädie dieser Schulform.

Maria Knilli ging den Fragen nach: Was braucht ein Mensch, um zu lernen und wie blühen Kinder auf, wenn sie den richtigen Raum zum Wachsen haben? Die Antworten gibt die Filmemacherin in ihrer dreiteiligen Dokumentation: Teil 1 mit dem Titel "Guten Morgen, liebe Kinder" zeigt die Entfaltung der Kinder in den ersten drei Schuljahren. Die kleinen und großen Lernschritte werden sichtbar, der Aufbau der Beziehungen untereinander und die Atmosphäre, in der die Kinder lernen: zärtlicher Ernst, innige Neugierde und gemeinschaftliche Begeisterung.
"Eine Brücke in die Welt" heißt der zweite Teil, der sich mit dem 4. bis 6. Schuljahr beschäftigt, einem Zeitraum, in dem das Klassenzimmer eine sich stets wandelnde Lernwerkstatt ist und die Kinder Schritt für Schritt das selbständige Arbeiten üben. Der Betrachter erlebt die äußere wie innere Entwicklung der Kinder mit und erkennt, wie aus hingebungsvollen Viertklässlern nachdenkliche und kritische Sechstklässler werden.

 

 

In der 5. Klasse steht eine entscheidende Wegstrecke an, wenn die ganze Klasse zusammen mit der Lehrerin und einigen Eltern zu Fuß den Alpenhauptkamm bei 3019 Höhenmetern überwindet – eine eindringliche Erfahrung für die Klassengemeinschaft, die zeigt, dass "Starke" plötzlich schwach und "Schwache" stark sein können. In der sechsten Klasse recherchieren die mittlerweile Zwölfjährigen selbstständig in Gruppen über die unterschiedlichen Länder Europas und referieren vor der Klasse. Und jeder Schüler schreibt einen frei erfundenen Text für ein Hörbuch. Das Klassenzimmer wird schließlich sogar zum Tonstudio, wenn eine der Geschichten von allen gemeinsam vertont wird.
 
Im Gegensatz zu "Guten Morgen, liebe Kinder" kommen im zweiten Teil der Langzeitdokumentation erstmals auch die Eltern der Schülerinnen und Schüler zu Wort, die mit ihrer Entscheidung für eine Waldorfschule bewusst eine Alternative zur herkömmlichen Schulpädagogik gewählt haben. Die Klassenlehrerin bringt es auf den Punkt: "Wir beide, die Schule und das Elternhaus, sind die Pfeiler, auf denen eine Brücke gebaut ist, über die das Kind in seiner Entwicklung in die Welt geht."
 
Teil 3 wird im Jahr 2016 erscheinen. Er zeigt die Entwicklung der Kinder bis zur 8. Klasse, spannt aber auch den großen Bogen von der 1. bis zur 8. Klasse.