Mathematik

Vom Rechnen zur Analysis

Mathematik erscheint oft nur noch als Hilfswissenschaft eines mechanisch gewordenen Denkens in Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung. Ihrem Ursprung gemäß ist sie aber eine „Geisteswissenschaft“ und als solche der Gedankenfreiheit des Menschen verpflichtet. Sie ist Urbild eines streng durch das Denken abgesicherten Schrittes in die geistige Dimension.

Der Mathematik-Unterricht an der Waldorfschule will Wege zu freier Urteilsbildung und Erkenntnis entwickeln. So begleitet er die Schüler gemäß ihrer seelisch-geistigen Reifung mit den dazu jeweils passenden Inhalten und Methoden.

Durch rhythmisches Sprechen und Bewegen erobern die Kinder zunächst mit ihren Willenskräften den Zahlenraum und üben darin ihre Rechenfertigkeit. Fingergeschicklichkeit und Rhythmik im Flöten und Stricken sind dafür genauso hilfreich wie das Formenzeichnen. Mit den Grundrechenarten gewinnen die Kinder das Vertrauen, dass sie „im Leben mit etwas rechnen können“: Rechnen ist die Grundlage echter Lebenssicherheit.

In der Mittelstufe wandelt sich das Rechnen zur Betrachtung der gesetzmäßigen Zusammenhänge auf dem reichen Übungsfeld von Brüchen, Prozenten und Dreisätzen bis hin zur ersten Algebra. Das Formenzeichnen steigert sich zur Geometrie, bei der die Konstruktionen in ästhetischen Bildern gipfeln. Der innerlich empfundene Zusammenhang bereichert dabei die rein logische Verknüpfung von Ursachen und Wirkungen zu einer gesunden Grundlage eigener Urteilsfähigkeit.

Die Oberstufe führt das beweglich gewordene logische Denken weiter zur sachlichen Einsicht in die Begriffe der Mathematik. Das reine Denken befreit sich in Analysis und Geometrie von den Grenzen der äußerlichen Vorstellung und befähigt zu eigenen Erkenntnissen.